Innovative 3D-Kamera aus Linz weckt Interesse der Stahlindustrie

VoXel-Gründer Dr. Simon Vogl mit seiner Time-of-Flight Kamera. Foto: VoXel
VoXel-Gründer Dr. Simon Vogl mit seiner Time-of-Flight Kamera. Foto: VoXel

04.08.2016

Eine Time-of-Flight-Kamera (ToF) kann Objekte mit Hilfe von Infrarotlicht dreidimensional ermitteln und am Bildschirm darstellen. Zukünftig wird das auch im Hochtemperaturbereich oder unter Wasser möglich sein, denn die VoXel Interaction Design aus Linz verschob in monatelanger Forschungsarbeit den Aufnahme-Lichtfrequenzbereich. Die Stahlindustrie zeigt bereits Interesse an der Neuentwicklung. Unterstützt hat das Kooperationsprojekt die „Particle Flow Modelling“-Abteilung der Johannes Kepler Universität Linz und das Förderprogramm easy2innovate des Landes OÖ.

Time-of-Flight-Kameras arbeiten normalerweise im Infrarot-Frequenzbereich, also außerhalb des für den Menschen sichtbaren Lichts. Aufnahmen im Hochtemperaturbereich funktionieren aber nicht, da die Hitze zu viel Infrarotlicht erzeugt und die Aufnahme verfälscht. Gleiches gilt für Aufnahmen unter Wasser, das dieses Licht stark absorbiert. Es ist, als würde man im Dunkeln ohne Fernlicht fahren.


Einfache Idee, große Wirkung
VoXel Interaction Design aus Linz, ad personam Dr. Simon Vogel, verlegte mit Unterstützung der „Particle Flow Modelling“-Abteilung der Johannes Kepler Universität Linz kurzerhand den Messbereich von Infrarot in das kurzwelligere Frequenzband „blau/grün“. „Die Idee war simpel, die Umsetzung gestaltete sich aber anspruchsvoll“, fasst es der Erfinder zusammen. Die Umgebung sendet im Frequenzband „blau/grün“ weniger störendes „Streulicht“ aus. Das heißt, Objekte, deren Konturen sowie Entfernungen werden auch im Hochtemperaturbereich bzw. unter Wasser viel besser sichtbar. So entstand die „GreenToF“-Kamera, mit der VoXel auf großes Kundeninteresse stieß. Das Unternehmen wurde bereits 1999 gegründet und ist seither auf die Entwicklung von Hard- und Software für industrielle Messsysteme spezialisiert.


Distanzmessung entlarvt Schäden
Wozu braucht man GreenToF-Kameras? Beispielsweise wenn es festzustellen gilt, ob in Kokereiöfen das feuerfeste Schamott durchgehend intakt ist – bei einer Hitze von ca. 800 Grad Celsius wird der „normale Blick“ ins Innere zur Herausforderung. Die Kamera vermisst die Innenseiten des Ofens. Gibt es Unregelmäßigkeiten, kann man von Schäden am Schamott ausgehen und Konsequenzen ziehen. Damit werden gezielt Stahlwerksbetreiber, deren Vermessungsbüros sowie Erzeuger von Industrieöfen angesprochen. Mit der GreenToF-Kamera haben sie ein Werkzeug für ihr „Ofen-Monitoring“ in der Hand.

 

Eine Kamera zum Abtauchen
Selbiges Prinzip funktioniert auch unter Wasser: Mit einer GreenToF-Kamera können Schiffe durch Engstellen navigieren oder sie lässt sich für Inspektionsaufgaben nutzen. Auch für Unterwasseranwendungen gibt es bereits Anfragen aus Europa und den USA.


Mit easy2innovate zum Technologie-Prototypen
Durch die enge Zusammenarbeit mit dem Forschungspartner an der JKU und einer Unterstützung in Höhe von 25.000 Euro aus der Programmlinie easy2research des Landes OÖ konnte VoXel Interaction Design die Idee zum erfolgreichen Prototypen führen. Bei der Fördereinreichung unterstützt wurde das Unternehmen von der oö. Wirtschaftsagentur Business Upper Austria.

 

Corporate Data
Die Linzer „VoXel Interaction Design“ wurde 1999 von DI Dr. Simon Vogl gegründet und ist seither auf die Entwicklung von Hard- und Software für industrielle Messsysteme spezialisiert.


Foto: DI (FH) Roland Nöbauer, MA

DI (FH) Roland Nöbauer, MA

TIM-Projektmanager

Business Upper Austria

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