Energieeffizient, behaglich, schön

Oö Innovation am E-Heizungssektor

Gerhard Forst präsentiert sein innovatives Heizungssystem auf der Energiespar-Messe in Wels und der Erfindermesse in Nürnberg © Gerhard Forst
Gerhard Forst präsentiert sein innovatives Heizungssystem auf der Energiespar-Messe in Wels und der Erfindermesse in Nürnberg © Gerhard Forst

11.09.2019

Das von Gerhard Forst 2018 gegründete Start-up Heliolith eU mit Sitz in Peuerbach hat unter Mitwirkung der JKU Linz und der TU Kaiserslautern ein elektrisches Heizsystem entwickelt, das neben dem Infrarot-Wärmestrahlung auch die Wärmespeicherkapazität von Polymerbeton nutzt. Der Wohlfühleffekt lässt sich durchaus mit dem eines Kachelofens vergleichen. Das österreichische Institut für Baubiologie und –ökologie attestiert dem System in einer Studie ein hohes Maß an Behaglichkeit. 

Eine der ersten Hybridheizungen wurde in der Sattelkammer eines Reitbetriebes installiert. Diese Tatsache zeigt die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten mehr als deutlich. Neben der Heizleistung hat das System noch weitere Vorteile: Es ist schön, weil es fast in jedem Design gebaut werden kann, braucht wenig Platz und ist auch von den Gesamtkosten her interessant. „Wenn jemand beispielsweise eine Blockhütte hat, kann ein Heizkörper mit Wurzelholz-Optik installiert werden“, erklärt Gerhard Forst. Der Jungunternehmen hat für so ziemlich alle Varianten passende Lösungen parat. Auch Innen- und Außenbereichen von Hotels, Thermen oder Freizeitanlagen können mit der sehr robusten Heizung wohlig temperiert werden. 

Energieeffiziente E-Heizung

Der Unternehmer Gerhard Forst nutzt seit 2016 die Förderberatung der oö. Standortagentur Business Upper Austria, zuerst als EPU, dann mit dem von ihm gegründeten Start-up. Förderexperte Roland Nöbauer hat den Jungunternehmer mit den richtigen Forschungseinrichtung vernetzt und die Produktentwicklungen begleitet. Auch bei den Förderanträgen war die professionelle Unterstützung erfolgreich. So ist es gelungen, das von Forst entwickelte Heizsystem zu optimieren und einen neuen Standard in Sachen Energieeffizienz bei E-Heizungen zu setzen. Das österreichische Institut für Baubiologie und –ökologie attestiert dem System in einer wissenschaftlichen Studie ein hohes Maß an Behaglichkeit.

Nachträglicher Einbau möglich

Elektrische Heizsysteme sind besonders gefragt zur Nachrüstung in bestehenden Objekten (Altbau bzw. Sanierung, Keller- oder Dachgeschoß) bei denen eine Verlegung von Wasserleitungen schwierig, aufwändig oder unmöglich ist. Aber auch für Wochenendhäuser, die rasch aufgeheizt werden müssen und dann wieder abkühlen können, ist das System gefragt. Im Blockhausbereich bzw. generell bei Objekten aus Holz sind IR-Heizsysteme mit hohem Infrarot- bzw Wärmestrahlungsanteil durch die stark austrocknende Wirkung schädlich. Das neue System kann hier aber ebenfalls eingesetzt werden, weil es natürliche Materialien leben lässt. Das ist das Resultat aus der wissenschaftlichen Expertise der Universität Kaiserslautern.

Behaglich und bequem

Der Vorteil von klassischen IR-Heizkörpern ist die rasche Wärmewirkung und Ausbreitung, Nachteil ist die fehlende Behaglichkeit, da bei Abschalten des Systems durch die fehlende Speicher- und Konvektionswirkung unmittelbar ein subjektives Kältegefühl auftritt. Deshalb muss permanent geheizt, also Strom zugeführt werden. „Wir wollen ein System, das beides leisten kann und einen neuen Standard in punkto Energieeffizienz darstellt“, betont Gerhard Forst. Die Hybridheizung erfüllt diese Voraussetzungen. Hybrid steht in diesem Fall für eine besondere Ausprägung der Wärmeausbreitung (Konvektion und Infrarot-Strahlung). Das Heizelement ist vollständig mit Polymerbeton als Wärmespeichermasse ummantelt und somit auch gegen eindringende Feuchtigkeit geschützt.

Forschungsintensive Entwicklung

Heizsysteme sind durch die Kombination verschiedener Effekte und Rahmenbedingungen sehr komplexe Systeme. Hier ist die Einbindung von wissenschaftlichem Expertenwissen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Um das Heizsystem in allen wärmetechnisch relevanten Punkten zu optimieren und so die höchstmögliche Energieeffizienz zu erreichen, arbeitet der Gründer Gerhard Forst deshalb seit Jahren mit internationalen Forschungsinstituten zusammen. Diverse Parameter wie die Nettostrahlungsleistung, der Strahlungswirkungsgrad sowie die Aufheiz- und Abkühlzeit wurden bereits in Zusammenarbeit mit der TU Kaiserslautern ermittelt und optimiert.

Optimiertes Material

Die JKU Linz hat wesentliche physikalische Eigenschaften des Heizkörpermaterials (Polymerbeton), darunter die spezifische Wärmekapazität und Wärmeleitfähigkeit untersucht und optimiert. Außerdem wurden durch Simulationsmodelle die theoretisch optimale Verteilung der Heizdrähte für eine gleichmäßige Temperaturverteilung ermittelt.

Bestes Zeugnis

Gemeinsam mit dem Österreichischen Institut für Baubiologie und –ökologie, kurz IBO, wurde eine Reihe noch nicht wissenschaftlich nachgewiesener Behaglichkeits-Eigenschaften und Funktionen untersucht. „Uns wurde in allen Bereichen das beste Zeugnis ausgestellt“, weiß Forst. Die Experten attestierten eine physiologische Wirkung der Heizquelle auf die Behaglichkeit, Möglichkeiten der Regelungsoptimierung für Leicht- und Massivbauten sowie Unterschiede zu anderen Strahlungsheizsystemen wie beispielsweise Standardinfrarotheizungen. Für die Untersuchungen mit dem Österreichischen Institut für Baubiologie und –ökologie hat das Unternehmen das Förderinstrument „Innovationsscheck mit Selbstbehalt“ in Anspruch genommen.


Foto: DI (FH) Roland Nöbauer, MA

DI (FH) Roland Nöbauer, MA

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